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Neurogenes Zittern – wissenschaftlich nicht belegt??

„Leicht zu erlernen, vermutlich hilfreich bei Stress und Schlaf – aber wissenschaftlich nicht gut untersucht.“ So fasste t-online am 25.04.2023 in einem Beitrag von Geraldine Nagel das neurogene Zittern zusammen.


Und ich merke, wie mich dieser Satz ärgert.


Wie kann das sein?


Wie kann es sein, dass eine Methode, die von so vielen Menschen als hilfreich erlebt wird, forschungsseitig noch immer „in den Anfängen“ steckt? Meine ganz persönliche, vielleicht ketzerische Vermutung:

Weil man damit kein Geld verdienen kann. Weil es kein Medikament ist, kein patentierbares Verfahren, kein Hightech-Gerät.


Und weil Worte wie „nicht ausreichend untersucht“ oder „keine klare Studienlage“ viele Menschen verunsichern – obwohl sie doch eigentlich nur bedeuten: Wir wissen noch nicht alles.


Woher kommt das Wissen über neurogenes Zittern?


Der US-amerikanische Psychologe Dr. David Berceli arbeitete in den 1990er Jahren in Krisen- und Kriegsgebieten in Afrika und im Mittleren Osten mit schwer traumatisierten Menschen. Er beobachtete das Menschen, die extremem psychischen Stress ausgesetzt sind, körperlich mit Zittern reagieren – unabhängig von Sprache, Kultur oder Bildung - und das dieses Zittern half, den Stress abzubauen.


Die daraufhin entwickelten Übungen wurden von ihm bereits in 17 Ländern bei über 40.000 Menschen angewendet. Keine kleine Zahl. Und doch: wenig Forschung, wenig Aufmerksamkeit.


Zittern – ein uraltes Körperwissen


Zittern als Reaktion auf Stress oder Trauma ist uns allen vertraut:

  • „Meine Beine zitterten, als ich die Rede hielt.“

  • „Ich zitterte vor Wut.“


So verbreitet ist dieses Phänomen, dass Zittern sogar als diagnostisch relevantes Merkmal bei Panikattacken, sozialen Phobien, generalisierter Angststörung und posttraumatischer Belastungsstörung im DSM (international anerkanntes Klassifikationssystem für psychische Störungen) beschrieben ist.


Das neurogene Zittern setzt genau hier an: bei der Übererregung des Nervensystems und der Ausleitung des Stresses.


Ein Blick in die Tierwelt


Spannend ist, dass wir dieses Verhalten nicht nur beim Menschen beobachten.


Auch Tiere zittern, nachdem eine akute Gefahr vorüber ist. Ist der Schock überstanden, beginnt der Körper zu beben – oft am ganzen Leib. Danach kehrt Ruhe ein.


Es ist der natürlicher Regulationsmechanismus.


Wenn Theorie plötzlich ganz persönlich wird


Vor einiger Zeit bin ich auf einer vereisten Treppe gestürzt. Der Krankenwagen kam, da ich mich nicht bewegen konnte und der Verdacht auf einen Bruch im Raum stand. Während ich in Krankenwagen und später im Krankenhaus lag, spürte ich ein inneres Zittern. Ein Zittern aus Schreck und auch aus Kälte. Ich habe es zugelassen.


Am Ende waren es „nur“ Prellungen aber innerlich war etwas geblieben.


Noch einige Zeit merkte ich, dass glatte Böden mir Angst machen. Die Sorge vor einem erneuten Sturz war da und mein Körper erinnerte sich.


Ich praktiziere neurogenes Zittern jeden Tag und erlebe es als lindernd und beruhigend und nach und nach hat auch die Angst vor einem weiteren Sturz langsam abgenommen.


Die Theorie hinter dem neurogenen Zittern


TRE-Deutschland beschreibt es so:

„Gelingt es dem Körper nicht, den Stress loszuwerden, wenn zum Beispiel das natürliche Zittern mit Hilfe des Willens unterbunden wird, bleibt er aus TRE-Sichtweise förmlich im Körper gefangen und kann krank machen – und etwa zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen.


Die Übungen haben zum Ziel, neurogenes Zittern hervorzurufen, um Muster von tiefer chronischer Spannung zu lösen, die im Körper gehalten werden.“


Das Ziel ist also nicht das Zittern selbst, sondern das Loslassen von Spannung, Schutzmustern und Daueranspannung.


Vertrauen in den Körper


Ja – die Forschungslage ist noch dünn. Aber braucht es wirklich immer Studien, die uns beweisen, dass etwas hilft?


Und was wäre, wenn Studien eines Tages sagen würden, es helfe nicht? Ich würde trotzdem weiter zittern, wegen der guten Erfahrungen damit.


Viele Menschen lassen sich jedoch von reißerischen Schlagzeilen oder Formulierungen wie „nicht wissenschaftlich belegt“ verunsichern. Sie denken: Bevor ich etwas falsch mache, mache ich lieber gar nichts. Das ist fatal.


Denn Nichtstun bedeutet oft, dass innere Spannungen bleiben – auch jene, die aus alten seelischen Verletzungen stammen und längst keine Worte mehr haben. Wenn wir uns trauen würden, unserem Körper zuzuhören, könnten sich viele Menschen auf einfache, sanfte Weise selbst helfen. Er weiß oft sehr genau, was er braucht.


Vielleicht geht es am Ende weniger um Beweise – und mehr um Vertrauen.


Wie kann ich zittern?


Auf YouTube findest du viele Varianten. Suche dir eine, die zu deinem Fitnesslevel passt. Beispielsweise findest du bei “Satya Marchand” oder “Somatic Sports Club” unterschiedliche Ausgangsstellungen. Bestimmt ist eine auch für dich dabei.


10 Minuten, ein oder zweimal am Tag, reichen völlig aus um nach einigen Wochen Erleichterung zu spüren.



Ich wünsche euch fröhliches zittern


Nicole

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